Demografischer Wandel: Was wir von Japan lernen können – und müssen

In Japan ist bereits heute Realität, was in Deutschland unter dem Schlagwort „demografischer Wandel“ zwar immer wieder thematisiert, aber für viele noch nicht so recht greifbar ist. Um zu verstehen, wie ernst die Lage ist – bzw. bald sein wird – lohnt folglich ein Blick ans andere Ende der Welt. Japan zeigt eindringlich, was eine alternde Gesellschaft tatsächlich bedeutet.

Der demografische Wandel löst einen Teufelskreis aus

Japan vergreist. Die Bevölkerung wird immer älter, junge Menschen sind quantitativ deutlich in der Unterzahl. Damit einher verändert sich die gesamte Wirtschaft. Zeitungen vergrößern ihre Schrift, um auch für die Generation 70plus lesbar zu bleiben. Auch für die Marketer rückt diese Zielgruppe immer mehr in den Fokus: Im Fernsehen tritt Werbung für Seniorenwindeln gleichberechtigt neben die für Kinderspielzeug. Es gibt Messen, die Services rund um die Beerdigung promoten, und Ausstellungen, die sich auf smarte Krankenbetten und innovative Dienstleistungen zum Thema häusliche Pflege fokussieren. Denn auch der hierzulande oft vorhergesagte Pflegenotstand ist in Japan längst traurige Realität. Weil es zu wenig Fachpersonal gibt, werden ältere Menschen mehr noch als sonst zu Hause gepflegt. Das führt dazu, dass sich der Personalmangel in der japanischen Wirtschaft weiter verschärft. Vor allem Frauen können nicht in Vollzeit arbeiten, weil sie sich auch um ihre Angehörigen kümmern müssen. In Folge dessen verdienen Familien aber auch weniger Geld. Das geringere Einkommen führt zu abnehmendem Konsum. Ein Teufelskreis!

Was können wir besser oder anders machen?

Eine solche Altersspirale erwartet uns auch hierzulande. Doch im Sinne von Lessons Learned kann man die Erfahrungen aus Japan nutzen, um noch rechtzeitig gegenzusteuern. Zum einen geht es darum, den Pflegeberuf insbesondere durch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Entlohnung attraktiver zu gestalten. Nur so ist gewährleistet, dass professionelle Angebote zumindest einen Teil der erforderlichen Pflege abdecken können und der Fachkräftemangel sich nicht nur pflegende Angehörige weiter verschärft. Zum anderen müssen Unternehmen das Wissen der jetzt noch arbeitenden älteren Generation dringend sichern, um es den nachfolgenden Mitarbeitern überhaupt zugänglich machen zu können. Wer diese Chance verpasst, der schickt mit seinen ausscheidenden Fachkräften auch deren jahrelanges wettbewerbskritisches Wissen in Rente.

Zudem können Beraterverträge, die über die Pension hinausgehen, ein Baustein sein, um weiterhin auf die Erfahrungen der künftigen Rentner zugreifen zu können. Und schließlich muss die Wirtschaft die Digitalisierung nutzen, um die Folgen des demografischen Wandels zumindest in Teilen abzufedern. Wer in intelligente Vernetzung investiert und vor allem Routinearbeiten weitgehend automatisiert, der kommt künftig mit weniger Personal aus – bzw. kann die vorhandenen Ressourcen für hochwertige, weil wertschöpfende Tätigkeiten einsetzen.

Den Ernst der Lage erkennen!

Die Demografie ist in aller Munde. Dennoch wird sie nach wie vor unterschätzt. Die Zeit arbeitet dabei gegen uns. Unternehmen müssen endlich aktiv werden und die Generation 50plus in ihren Fokus rücken – statt nur nach jungen High Potentials Ausschau zu halten. Davon gibt es schlichtweg zu wenige. Natürlich ist es wichtig, in den Nachwuchs zu investieren. Gleichzeitig sollten Unternehmen aber auch das Potenzial ihrer älteren Mitarbeiter erkennen und Maßnahmen ergreifen, um sie noch lange an den eigenen Betrieb zu binden. Dazu gehören altersgerechte Weiterbildungsangebote ebenso wie flexible Arbeitsmodelle. Über eine generationenspezifische Ansprache gelingt es zudem, wichtige Wissensträger zum Erfahrungsaustausch zu motivieren und ihr Know-how zu explizieren.

Bildquelle: (C) piu700 / pixelio.de

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